Das größte Geschenk, das der Piemont den Menschen macht, steckt eigentlich schon im Namen: Piemont – Pedemontium, am Fuß der Berge. Nicht nur die Vielseitigkeit der Landschaft, welche von den höchsten Bergen der Alpen und den Alpenseen über die Po-Ebene zur Langhe mit ihren unterschiedlich sanften Hügeln reicht, ist ein Geschenk. Es ist dieses fantastische Panorama, das je nach Jahreszeit und Wetter bei Sichtweiten von bis zu 300 km ermöglicht, das man über die malerischen Weinberge mit ihren Rosenstöcken dank der völlig flachen Po-Ebene in weitem Bogen eine Alpenkette aufgereiht hat, vom Montblanc über den Grande Paradiso bis zum Matterhorn, schamlos, cosi – einfach so, wunderbar, man kann sich nicht sattsehen. Es gibt südlich des Po, sobald man die Hügel hinaufkommt, nahezu endlos viele Blickwinkel, die man entdecken kann. Mal von klassischen Aussichtspunkten aus, von malerischen Ortschaften, offiziellen oder inoffiziellen Panoramastraßen aus, mal gezielt angesteuert, mal zufällig am Wegesrand.
Gerade die Langhe bietet gleich Panoramastraßen, die offiziell ausgeschrieben sind und die sich mit dem Auto, Wohnmobil oder Motorrad gut erschließen lassen. Die Langa del Barbaresco, die Strada Romantica delle Langhe e del Roero und die Langa del Barbaresco. Aussichtspunkte bieten auch die Riesenbänke des Big Bench Community Project, die großen Bänke, von denen aus man nicht nur eine tolle Aussicht hat, sondern die selbst zu Landmarken geworden sind. Leider sind diese, bis auf bisher eine, nicht barrierefrei. Dennoch lohnt, die Orte aufzusuchen, weil diese auch ohne die Bänke zu erklettern ein schönes Panorama bieten.
Bleibt das Thema, sich Aussichten zu erwandern: leider ein kleiner Wermutstropfen. Barrierefreie Wanderwege, insbesondere auf der Höhe, sind leider etwas Mangelware. Kennt man aus Deutschland die überwiegend der Tradition geschuldeten längs zur Höhenlinie angelegten Weinberge und den daraus resultierenden Höhenwegen, sind im Piemont (wie im restlichen Italien und überwiegend auch in Frankreich) die Wege quer angeordnet. Das führt zu in der Regel sehr steilen Wegen, die selbst für sportliche Rollstuhlfahrer in der Regel nicht mehr zu bewältigen sind. Hier ist man besser innerhalb und rund um die Ortschaften oder im Tal aufgehoben.
Piemont, das sind aber nicht nur die Weinberge. Piemont, das ist in der Alta Langhe auch die Haselnuss. Die ist – im Gegensatz zur Namensschwester, der Kirsche, die nur Marketinggag ist – echt Piemont und herkunftsgeschützt. Eine ganze Region mit Haselnussplantagen oder eher mit Haselnusswäldern, die mit ihrem besonderen Grünton eine ganz eigenwillige Atmosphäre zaubern.
Nicht zu vergessen in der Aufzählung natürlich die vielen Städte und Orte, die alle ihren eigenen Charakter, ihren sehr unterschiedlichen Reiz haben. Turin, das kleine Paris am Fuß der Alpen, Alessandria, Alba, Asti, Bra… Namen, die für Architektur, Kunst, Kulinarik, Mode und Design stehen. Jeder kann sich aus dieser Menü-Karte nach seinen Genussvorlieben bedienen.
Hier gibt es daher auch keine klassische Menüfolge, also Route. Vieles liegt dicht beisammen, so dass man die Planung auch vom Kalender abhängig machen kann und sollte. Hier ein geschlossenes Museum das gemieden, dort ein Wochenmarkt oder ein anderes Ereignis, was angesteuert werden will. Auch das Wetter schreibt Planung mit. Ich hatte bei meiner ersten (es wird nicht die letzte sein) Tour 10 Tage verboten tolle Fernsicht, wie auf den Fotos zu sehen ist. Theoretische 300 km, die höchsten Berge in 180 km Entfernung (das entspricht der Entfernung im Bild) haben das Limit gesetzt.
Apropos Limit: Mit Rollstuhl muss man sich darauf einrichten, dass mit Aufgrund der Geografie nicht überall hinkommt. In den alten Stadtteilen von Turin, Alba, Acqui Terme und Co. gibt es bis teilweise glattes, teilweise aber auch fieses Kopfsteinpflaster: große, spitz-runde Kieselsteine, in denen sich kleine Vorderräder fies verhaken. Meist gibt es aber Fahrspuren mit glatten Steinen oder zumindest Ausweichrouten, die man nehmen sollte, um das Material zu schonen. Beim Besuch von Museen und Co. geht nicht alles glatt, aber vieles. Und letztlich machen die Piemonteserinnen und Piemonteser mit viel Charme und Rücksichtnahme alles wett: Barrieren im Kopf? Gibt es nicht.











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