Intermezzo – Reifenpanne mitten in der Lagune

Ausgerechnet bei einer schönen Wanderung durch die Lagune von Valli di Comacchio, während ich mich dem Genuss von Wind und Weite ergeben hatte…. holte mich plötzlich mein Rollstuhl in die Realität. Der Gummi des Vorderrads löste sich von der Felge. Wie genau das passiert ist, kann ich gar nicht sagen. Der Weg an sich zwar schmal, aber nicht Wildness und breit genug für den Rollstuhl. Es half aber alles nix. Der Reifen war ab und war von mir auch nicht mehr auf die Felge zu bekommen. Bis zum dortigen Informationszentrum gut 1,5 km. Bis zum Auto noch einen halben Kilometer obendrauf. Das konnte heiter werden.

Ich habe versucht, ganz vorsichtig so weiterzufahren. Nach 30 Metern aber eigentlich aufgegeben. Das wäre nur was für den absoluten Notfall. Zum Glück ist die Strecke aber gar nicht so einsam, wie sie wirkt. Zu Fuß war ich zwar die Einzige, die dort unterwegs war. Gelegentlich kamen aber Radfahrer vorbei. Mit denen baute sich dann nach und nach eine wirklich erheiternde Episode auf. Hilfsbereitschaft großartig. Und was ein echter italienischer Gentleman ist, der lässt eine holde Maid nicht hilflos im Nirgendwo hängen 😉

Der erste Helfer war noch alleine unterwegs und versuchte sein Bestes. Rollstuhl umgekippt und sich bemüht, das zu lösen mit Rad an Ort und Stelle. Als das nicht funktionierte, kamen zwei weitere Helden mit Werkzeug. Das Rad wurde abgeschraubt und dann so das Glück versucht. Als die Drei schon aufgegeben hatten und meinten, ich müssste halt auf der Felge fahren, tauchten am Horizont die Strongest Men of Italy, ach was, der ganzen Welt auf. Mit vereinten Kräften, viel Humor und Anfeuerung durch alle anderen gelang es ganz durch Manneskraft und ohne weitere Hilfsmittel den Gummi wieder auf die Felge zu bekommen. Ich bin vor Ehrfurcht und Begeisterung beinahe in der Lagune versunken! Un milione di grazie!

Helden mit Diskretionsfinger über dem MaurerRadfahrerdekolleté

Das hat mir ermöglicht, wieder zurück zum Camper zu kommen. Mit dem reparierten Rad weiterfahren wollte ich nicht. Die nächste große Stadt in Fahrtrichtung Ravenna. Dort wollte ich mein Glück mit einem Sanitätshaus probieren. Aber offenbar gab es vor Ort gar keine Werkstatt. Die befand sich in Forlimpopoli noch einmal rund 15 km weiter. Wobei ich zunächst nicht einmal begriffen habe, dass ich in eine andere Stadt muss, und in Wartezeit auf eine Adresse in der Via Roma die Mittagspause in Ravenna verbracht habe – was ja kein Schaden ist.

In Forlimpopoli bekam ich dann neue Vorderräder, wobei ich die alten als Reserve behalten habe. Weiter ging es in Richtung Berge ins Grenzgebiet zwischen Emilia-Romagna und den Marken. Doch als ich dort ankam gleich zwei Katastrophen unterschiedlichen Ausmaßes auf einmal. Erst dort habe ich abends die Räder richtig getestet. Schon ab 3 km/h fingen die Vorderräder massiv an zu flattern. Falsche Höheneinstellung. Das hatte ich schon mal. Außerdem hatte ich mir (zum wiederholten Mal) das Ladekabel für das Ipad geschreddert. Restsaft 17%. Wenn man das Navi braucht, ziemlich wenig. Ich habe dann beschlossen, am nächsten Tag wieder die 50 km zurück nach Forlimpopoli zu fahren. Das war zwar eine weite Strecke. Aber einerseits hätte ich nicht gewusst, wo ich zuverlässig in der Region sonst eine Rollstuhlwerkstatt finde. Außerdem war das ja eine Reklamation.

Zurück in der Werkstatt wollte mir der Techniker erklären, dass normal sei, dass die Räder flattern. Jedenfalls bemühte er sich, mir das über den anwesenden dolmetschenden Kollegen vom Verkauf zu vermitteln und beharrte darauf. Das hat mich dann ziemlich verärgert. Ich habe erklärt, dass das möglicherweise nur dann kein Problem ist, wenn man sich in diesem langsamen Tempo schieben lässt. Für mich sind aber mindestens 6 km/h die übliche Reisegeschwindigkeit und das Flattern auch ein echtes Sicherheitsproblem. Zähneknirschend hat er schließlich dann doch die Räder noch einmal ausgetauscht gegen kleinere, die wieder der gewohnten Größe entsprachen.

Merke. Einige Ersatzteile mitzuhaben schadet wohl nicht. Die alten Räder sind jetzt erst einmal im Camper. Und auch das Thema Ladekabel habe ich noch einmal nachjustiert: Es gibt jetzt in der Wohnkabine und im vorderen Bereich je ein Kabel – und eines als Ersatz. Ich bin immer mal wieder in Gegenden unterwegs, wo das nächste Fachgeschäft nicht ums Eck ist. Vom passenden Sanitätshaus nicht zu reden. Gleichzeitig hat die Episode aber auch gezeigt, dass man selbst mit so einer Havarie nicht verloren ist, wenn die Leute so hilfsbereit sind.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Intermezzo – Reifenpanne mitten in der Lagune“

  1. […] nicht vorgesehen. Die Emilia-Romagna soll es später mal intensiver werden. Nach meiner kleinen Rollstuhl-Havarie war ich nach Ravenna als nächste größere Stadt gefahren, um mir neue Vorderräder zu besorgen. […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert