An der Po-Mündung: Comacchio

Es lässt sich kaum vermeiden. Spätestens, wenn man über das Mündungsgebiet spricht, kommt einem das Teekesselchen in die Quere, das der längste Fluss Italiens uns Deutschen beschert. „Po-Mündung“ löst fast zwangsläufig ein Schmunzeln aus. Und „Po-Delta“ macht die Sache nicht wirklich besser. Ein landwirtschaftlich sehr schöner Zwischenstopp auf dem Weg in Richtung Süden ist Comacchio und die Valli di Comacchio, die Lagunen südlich unmittelbar südlich der Po-Mündung. Das kleine Städtchen führt, wie andere Gemeinden auch, den Beinamen „Klein-Venedig“. Ein großes Wort. Aber ganz hübsch ist es schon und lohnt in Kombination mit der Lagune einen Stopp allemal. Zumal sich die Gemeinde der Initiative Destinazioni per tutti verschrieben hat. Man hat Barrierefreiheit also auf dem Schirm.

Wie andere Lagunenstädte – zu denen selbstverständlich allen voran Venedig gehört – hat auch Comacchio das Problem, dass Barrierefreiheit nicht ganz trivial ist. Die vorhandenen, malerischen Wasserwege werden genutzt. Die charakteristischen hoch gewölbten Brücken sollen Bootsverkehr darunter ermöglichen. Das bedeutet üblicherweise Treppen auf den Brücken. Damit man mit Rollstuhl dennoch klarkommt, hat man eigens eine Route ausgeguckt und bietet eine zugehörige Karte an. Optimistisch habe ich gedacht, man könnte das erweitern. Aber so richtig glücklich bin ich über die vorgeschlagenen Wege hinaus nicht geworden. Man kann mit ein wenig hin und her sich auch abseits verlustieren und hat, wenngleich ohne wirkliche Runde, sehr hübsche Ansichten.

Aus meiner Sicht noch schöner ist aber die Lagune Valli di Comacchio, die sich südlich anschließt. Man hat die Möglichkeit direkt am Wall völlig naturnah in der Nähe der Fischer zu übernachten. Malerische Abendstimmung und Vögel inklusive.

Die Senknetze sind charakteristisch für die Region und verbreiten besondere Stimmung.

Die eigentlichen Valli di Comacchio sind das größte Brackwassergebiet Italiens. Es gibt dort unter anderem auch eine große Flamingokolonie. Dorthin habe ich mich auf den Weg gemacht über die Stazione Foce, ein Informationszentrum, dessen Nutzen und dortige Hilfs- und Informationsbereitschaft ich überschaubar fand. Man kann von dort über Dämme die Lagune erobern. Das geht grundsätzlich auch mit Rollstuhl, so man ein wenig naturnahe Wege gewohnt ist. Die Stimmung dieser Landschaft ist beeindruckend und sehr besonders. Es ergibt sich ein starkes Gefühl für Weite.

Warum ich ausgerechnet auf so einem Weg havariert bin, weiß ich eigentlich nicht. Jedenfalls hat sich plötzlich der Gummi meines Vorderrads verabschiedet und ist von der Felge gerutscht. Dazu separat.

Nachdem das Rad provisorisch geflickt war, wollte ich aber nicht riskieren, den Weg fortzusetzen und bin wieder umgedreht. Mit den Lagunen in der Region, generell mit dem gesamten Mündungsgebiet des Po und dem Nationalpark werde ich mich mal bei einem intensiveren Besuch beschäftigen. Dann auch mit den Flamingos.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „An der Po-Mündung: Comacchio“

  1. […] bei einer schönen Wanderung durch die Lagune von Valli di Comacchio, während ich mich dem Genuss von Wind und Weite ergeben hatte…. holte mich plötzlich mein […]

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