In Riga wartete eine für mich historisch-kulinarische Überraschung auf: Das Rigaer Schokoladenmuseum. Vor einigen Jahren habe ich mich auf meiner Internetseite goccus.com intensiv mit dem Thema Trinkschokolade auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang ging es nicht nur allgemein um die Geschichte der Schokolade bzw. des Kakao, sondern um die Alltagskultur als Getränk, auch in Europa. Während es unter anderem in weiten Teilen Europas verschiedene Formen mit sehr unterschiedlichen Rezepturen gab und gibt, war Osteuropa ein blinder Fleck. Blinder Fleck, weil es keine entsprechende Kultur dazu gab. Jedenfalls gab es allenfalls eine lose über die Bräuche im Adel, aber nichts, was sich nennenswert in der Bevölkerung durchgesetzt hätte.
Schon in Jelgava war ich im Internetangebot des Schlosses darauf gestoßen, dass man ein Angebot zu Trinkschokolade hat, was mich zunächst überrascht, dann aber doch nicht ganz so gewundert hat. Immerhin waren Fürstens und Co. ja über den europäischen Adel verbunden. Im Museum der (inzwischen nicht mehr ganz so) lettischen Schokoladenfirma Laima kam nun ein weiterer Strang zu Tage: Der deutsche Konditor Theodor Rieger hat 1870 die erste Schokoladenfabrik Lettlands gegründet, deren Marke sich spätestens nach der Fusion mit der Firma Laima weit über die Grenzen Lettlands hinaus etablieren konnte. Nach den Einschränkungen zur Zeit der Sowjetunion ist seit Mitte der Zehner Laima unter dem Dach des norwegischen Konzern Orkla gelandet.


Man betreibt ein nettes, kleines Schokoladenmuseum, das natürlich auch der Imagepflege dient. Interessant für mich weniger die Herstellung an sich, die mir ja nicht zuletzt aufgrund der eigenen Beschäftigung geläufig war, sondern der deutlich osteuropäische Einschlag der Marke und der Produkte. Dazu gehört auch die noch nicht restlos geklärte Frage nach der Trinkkultur der Schokolade als Getränk. Ich recherchiere noch. Es scheint, dass in Lettland eine dickere, dunkle Variante der Trinkschokolade üblich ist.
Die Barrierefreiheit ist vorhanden, bedarf allerdings ein wenig Nachhilfe: Man muss – so sagt es ein Schild – erst im zugehörigen Schokoladengeschäft um Einlass über den Hintereingang bitten. Nur wissen die Mitarbeiterinnen nicht zwangsläufig, wie das funktioniert. Also im Zweifel öfter nachfragen. Der nötige Fahrstuhl ist ums Haus rum im Hinterhof.


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