San Leo und die Inquisition

Rollstuhl barrierefrei

Der Rocca di San Leo ist ein beeindruckender Fels mit senkrechten Wänden, der sich aus der sanft hügeligen Landschaft am Südrand der Emilia-Romagna erhebt. Dass jemand zu Zeiten, als man sich noch regelmäßig gegenseitig die Köpfe eingeschlagen hat, auf die Idee gekommen ist, dort oben eine Festung zu errichten, ist nicht verwunderlich. Auch dass man diese Festung, weil so weit abgehoben von allem, dafür ausgesucht hat, um im 18. Jahrhundert ein Hochsicherheitsgefängnis der Hl. Inquisition zu werden, überrascht nicht. Es verleiht dem landschaftlich schönen Ort einen gewissen Gruselfaktor. Für Rollstuhlfahrer ist dieser Fels eine sportliche Herausforderung, die man allerdings umgehen kann, wenn man möchte.

Der Weg beginnt zunächst mit der Auffahrt zum Dorf San Leo. Um es vorweg zu nehmen: Es gibt einen Bus-Shuttle, der allerdings nicht barrierefrei ist, so gar nicht. Wie überhaupt die Busse der Region nicht barrierefrei sind und alle mehrere hohe Stufen haben. Aber Schwerbehinderten mit entsprechendem blauen Ausweis ist gestattet, den ansonsten nur für Residenti, Anwohnende zugelassenen Weg mit PKW zu nutzen. Mein 6 m-Camper passte durch. Von größeren würde ich abraten, sowohl von der Höhe, als auch was Breite und Länge angeht.

Optimistisch wie ich war, wollte ich das aber mal sportlich versuchen. Mein erster Anlauf also „fatto al mano“. Nach einem immer steiler werdenden Vorlauf landet man zunächst an der Porta di Sopra, dem einzigen Stadttor. Ab da wird es -zum Glück auf glattem Pflaster – noch ein Stück steiler. Viel mehr geht nicht, sonst fällt man raus aus dem Rolli.

Oben angekommen hat man einen ersten beeindruckenden Blick auf die eigentliche Festung, noch einmal einiges höher! Aber zunächst geht der Blick zum Dorf. Das ist sehr hübsch. Es gibt einige kleinere Kunsthandwerkerläden. Die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert ist leider mit Rollstuhl nicht erreichbar, da hätte auch Hilfe nichts genutzt.

Dafür erreicht man aber das Ende des ersten Plateaus mit einem herrlichen Blick über die Hügellandschaft der Region. Unten ein Blick von einer Etage höher aus, die Höhe der Festung. Die zu erreichen war mir mit Rollstuhl dann doch zu heikel. Nachdem ich auf dem Dorfplatz festgestellt habe, dass das mit dem Bus nichts wird, bin ich runter zum Camper und mit selbigen dann durch das Dorf durch und bis oben zur Festung gefahren. Von hier reicht der Blick über das Dorf San Leo hinweg in die Weite.

Verführerisch, mit dem Camper gleich stehenzubleiben und dort zu übernachten. Ich habe mich nicht getraut.

In die Festung kommt man nicht mit Rollstuhl rein. Dennoch lohnt sich der Abstecher nach oben. Neben der tollen Aussicht kann man sich die beeindruckende Festung von außen ansehen. Mich hat besonders fasziniert, wie man den riesigen Rundturm an und auf den Fels angeschmiegt hat.

Mit dem nächsten Stopp folgte endlich der Übertritt in die eigentlichen Marken. Der Faggeta die Pianacquadio ist ein Naturschutzgebiet, dass bekannt ist für seine alten Buchenwälder. Ich und Buchenwälder, das ist eine Symbiose. Daher musste ich das unbedingt probieren, wenngleich ich vorher wusste, dass das mit Rolli schwer wird. Und das wurde es auch. Sämtliche Wege, die abseits der Straße in den Wald führten, bestanden aus grobem Steinschotter und waren mindestens so steil, wie hier im Foto, meist steiler.

Dafür gab es einen schönen Waldsee, den Nala sofort begeistert für sich in Beschlag genommen hat…bis ich einige Meter weiter ein Schild realisierte, das vor dem Schwimmen warnte, weil der See steile Ufer mit über 3 Meter Tiefe hat. Ups. Zum Glück ist Nala sportlich. Sie testet auch immer an, ob sie eine Stufe oder Schräge hat. Das hätte sonst schwierig werden können.

Die Straße zum Monte Carpegna ist so ruhig und kaum befahren, dass man mit dem Rolli aber die Möglichkeit hat, sie als Wanderweg zu nutzen. Der leise Wind, der durch die unterschiedlichen Gruppen Baumwipfel gestrichen ist, hatte schon etwas Magisches. Die Aussicht ist formidabel. Es hat sich gelohnt, hier raufzufahren, auch wenn es nicht direkt in den Buchenwald ging.

Der Monte Carpegna mit rund 1300 m Höhe ist bekannt für eine Einsiedelei, die dort schon seit dem 13. Jahrhundert steht. Das Santuario della Madonna del Faggio liegt, obwohl nicht weit von der Straße weg, recht verwunschen am Berghang.

Wer mit einem naturnahen Weg und etwas Steigung zurechtkommt, kann am Kloster vorbei sogar noch ein veritables Gipfelkreuz erreichen mit weiter schöner Aussicht.

Übernachtet habe ich auf der Area Sosta Camper in Pieve nahe einem Anglerteich. An dem vorbei gibt es am Bach entlang einen kleinen barrierefreien Spazierweg.

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