
Kaunas als erste Stadt, die ich auf meiner Reise durch Litauen und Lettland besucht habe, hat mir zunรคchst ein Aha-Erlebnis der anderen Art beschert. Als ich nach 2 Tagen Anfahrt und entsprechend zurรผckgelegten Kilometern, erst nach Osten, dann nach Norden, an der beeindruckenden Fluรmรผndung des Neris in den Nemunas stand, wurde mir bewusst, dass das die Memel ist (die aus dem Lied). Mir, ganz im Westen in Aachen geboren und aufgewachsen, kam mein alter Geschi-LK-Lehrer in den Sinn und ich habe mich gefragt, was zum Teufel wir einmal hier wollten? Und das lange und intensiv. Der Gedankenblitz von Grรถรenwahn….
Die Flussmรผndung selbst ist nicht nur wegen ihrer Weite beeindruckend. Man hat die Stadt um sie herum gebaut, so dass ein spannendes Wechselspiel zwischen Natur und Urbanitรคt entstanden ist. Im Mittelpunkt die majestรคtische Burganlage der Burg Kaunas, erstmals 1361 urkundlich erwรคhnt und einst stark umkรคmpft. Sie spielte im Litauerkrieg der Deutschritter eine groรe Rolle, den diese letztlich verloren. Die Statue des Freiheitskรคmpfers Vytis prรคgt den Platz, man kennt das Standbild auch von der litauischen Euromรผnze. Heute wird die Anlage auch fรผr Open-Air-Veranstaltungen genutzt. Die Anlage kann man soweit gut erkunden. Die Burg selbst birgt ein Museum, ist aber nicht barrierefrei.
Die Altstadt von Kaunas, das ab Mitte des 15. Jahrhunderts Litauens einzige Hansestadt war, ist klein aber ganz hรผbsch mit einladender und vielseitiger Auรengastronomie. Nur in die Kathedrale St. Peter und Paul war mit Rollstuhl bedauerlicherweise kein Reinkommen. Auch muss man sehr aufpassen: Die Kern-Altstadt ist umgeben von einer unangenehm stark befahrenen Durchgangsstraรe. Das hat man fรผr Fuรgรคnger mit – nicht barrierefreier – Unterfรผhrung gelรถst. Ein Queren ist nur an sehr wenigen Stellen mit hohen Bordsteinen recht gefรคhrlich mรถglich. Auch einige der Seitengรคsschen sind nichts fรผr kleine Rรคder.
Kloster Paลพaislis


Eine unangenehme Erfahrung wartete dann aber dann an einer der Hauptsehenswรผrdigkeiten von Kaunas, dem Kloster Paลพaislis. Gerรผhmt wegen seiner Barockkirche, die eine der schรถnsten des Landes sein soll. Fรผr mich soll… denn auch hier bleiben Rollstuhlfahrer auรen vor. Wie รผberhaupt in der ganzen Anlage und das vรถllig ohne Not! Man will meinereins nicht als Besucher. Anders kann man das kaum interpretieren. Der Innenhof des Klosters ist fรผr Rollstuhlfahrer zugรคnglich. Grundsรคtzlich gilt das auch fรผr die Kirche. Es gibt dort eine Rampe. Nur ist dieser Zugang gesperrt und nur zu Gottesdiensten geรถffnet. Auรerhalb dieser Zeiten gibt es einen seitlichen Zugang zur Kirche durch den Kreuzgang. Der ist aber nur รผber einige Stufen erreichbar.
Die Anlage kostet Eintritt. Die Kasse ist ebenfalls nur รผber Stufen erreichbar. Eine Mรถglichkeit, sich bemerkbar zu machen, gibt es nicht. Ich habe es darauf ankommen lassen und insgesamt 20 Minuten vor diesem Eingang verbracht. Mehrere – internationale – Besucher haben nach und nach Hilfe angeboten. Ich bat, dass man drinnen kurz Bescheid gibt. Das wurde wohl auch gemacht, so die Besucher, die wieder rauskamen. Es kรคme gleich jemand. Nur kam keiner, auch in Pausen ohne Besucher nicht. Selbst wenn die Anlage nicht zugรคnglich ist, wofรผr es keinen Hinweis gibt in der Auรendarstellung, kรถnnte man kommunizieren.
Bis zum Innenhof konnte ich fahren, blieb dann aber im Kies kurz stecken. Es liefen mehrere Mitarbeitende an mir vorbei, ohne Hilfe anzubieten, selbst auf Ansprache nicht. Das sollte leider nicht das letzte Erlebnis dieser Art auf meiner Reise sein.
Platz fรผr die Nacht
Stellplรคtze zum รbernachten gibt es an verschiedenen Stellen direkt am grรถรten Stausee Litauens, am Kaunasser Stausee.


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