Ein kleines Intermezzo zu einem Zwischenfall auf der Kurischen Nehrung: die sehr unangenehme Variante von „blรถd geplant“. Ich benรถtigen einen kraftverstรคrkten Rollstuhl und damit eine Lademรถglichkeit fรผr selbigen. Eigentlich mit รberlegung angebracht haben wir dafรผr eine Steckdose am Rollstuhlstellplatz neben dem Eingang. Durch einen Gurt ist der Rolli dort auch wรคhrend der Fahrt sicher aufgehoben. Die Steckdose ist unten angebracht worden, wahrscheinlich clever gedacht: Dann kommt man auch ran, wenn man drauรen steht. Das Blรถde an dieser Stelle nur: Der Rollstuhl kommt beim Ein- und Ausladen an den Stecker, was mir aber eher nur unterbewusst „aufgefallen“ ist, ohne Konsequenzen zu bedenken.
Ausgerechnet auf der Kurischen Nehrung und natรผrlich nach Zutritt zum Naturschutzgebiet – womit bis dahin fรผr Fรคhre und Eintritt in selbiges mit Wohnmobil knapp 100 โฌ weg waren – bricht nun der Stift des Steckers vom Ladekabel ab und bleibt in der Steckdose stecken. Nun hรคtte ich ja auch noch eine andere Steckdose gehabt zum Laden. Aber das Kabel war ja auch kaputt und musste ersetzt werden. Das Wesen der Kurischen Nehrung ist nicht, Einkaufsmeile zu sein. Die Gemeinde hat mit den verschiedenen Dรถrfern insgesamt 3600 Einwohner, dรถrfliche Strukturen – und keinen Elektroladen. Den nรคchsten gibt es in Klaipฤda, dann wรคre aber die teure รber- und Einfahrt futsch gewesen und auรerdem eine ziemlich lange Anfahrt.
Anfangs bin ich im Hauptort Nida und im Hafen noch umhergeirrt und ziemlich aufgeschmissen gewesen. Keinerlei Hilfsbereitschaft, wie man das sonst eigentlich nicht von einer Marina und einem touristischen Ort kennt. Die Mitarbeiterin im Bรผro wollte auรer litauisch nichts sprechen. Auch hรคndisch-fรผรisch nicht. Die Rettung kam dann in Form eines Hinweises in einer Bar, ich sollte es mal beim Fahrradverleih probieren. Der mรผsste ja seine Rรคder laden kรถnnen. Und siehe da, das war dann ein Engel. Er hat nicht nur im Hafen rumgefragt, um ein Euro 8 Kabel (die richtige Bezeichnung, wie ich inzwischen weiร) zu finden. Ich bekam das sogar geschenkt. Als ob das nicht genug gewesen wรคre, hat der Gute eigenhรคndig – natรผrlich bei Sicherung raus – den Stift aus der Steckdose gepopelt. Zum krรถnenden Schluss hat er sich geweigert, irgendetwas dafรผr zu nehmen. Ich sollte fรผr ihn beten. Herzlichen Dank noch einmal!
Ohne Rolli geht nun mal nichts bei mir. Vorsorglich, weil die Alber E-motion Rรคder in dieser Hinsicht leider 1 1/2 Jahre extrem Mucken gemacht haben und es mehrere Male zu gleich seriellen Speichenbrรผchen kam, fรผhre ich ein Ersatz-Speichenset mit. Mit so einem Ausfall hatte ich nicht gerechnet. Mit Rheinischer Gelassenheit: Et hรคt noch emmer jot jejange.
Nachtrag: Bei der Rรผckkehr nach Berlin gehรถrte die Anpassung der Steckdose zu den kleineren Korrekturmaรnahmen. Ich habe nun eine zweite, die oberhalb des Rollstuhls positioniert ist, so dass es nicht mehr zur Kollision kommen kann.


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