Unter dem Stichwort Grenzen gibt es beim Thema Baltikum noch etwas anderes, das besonderer Wรผrdigung bedarf: die politische Situation und ihre Auswirkungen auf die Region. Schon bei der Anreise durch Polen kommt man daran gar nicht vorbei, spรคtestens, wenn man sich der Region um Suwalki und damit dem nur rund 65 km schmalen Korridor nรคhert, der zwischen Belarus und Kaliningrad liegt. Auf der gerade im Ausbau befindlichen Autobahn dort brauchte es keinen separaten Blick in die Landkarte, um zu spรผren, was das bedeutet.
Aus deutscher Perspektive war es just auf Hรถhe des Korridors ein Transport der Bundeswehr, den ich รผberholt habe. Spรคter sollte ich in Vilnius noch einmal Mitgliedern der Bundeswehr begegnen. Sie sind dort nicht zum Spaร. Man spรผrt im Alltag an verschiedenen Stellen, wie bewusst die Auseinandersetzung in diesen vergleichsweise kleinen Lรคndern ist. Wie groร aber gleichzeitig das Selbstbewusstsein ist, da zu stehen.
Die Solidaritรคt mit der Ukraine ist wesentlich รถffentlicher, wesentlich prรคsenter, als bei uns. Ganz besonders stark spรผrt man das in Vilnius, das gerade einmal 30 km von der Grenze weg ist. Vom Fernsehturm hat man das Gefรผhl, man kรถnnte rรผberspucken nach Belarus. Und die Busse fahren in der Lehrfahrt mit โค๏ธ Ukraine. In der Skyline von Vilnius prangt an einer Hochhaus-Fassade groร: Putin – the hague is waiting for you.
Auch rund um die kurische Nehrung lรคsst sich die Situation nicht leugnen, teilt sich der schmale Sandstreifen hรคlftig zwischen Russland / Kaliningrad und Litauen auf. Noch wรคhrend meines Aufenthalts wurde berichtet, dass mehrere zivile Segler in der Ostsee belรคstigt worden waren durch ein russisches U-Boot, wรคhrend unter anderem die schwedischen Behรถrden Schiffer davor warnten, dass das GPS gestรถrt wรผrde, man sollte fit in analoger Navigation sein. Von all dem bekommen wir in Deutschland relativ wenig mit, weil recht sparsam darรผber berichtet wird. Und wenn berichtet wird, dann mit falschem Zungenschlag, so was die angeblich unzureichende Grenzsicherung nach Osten angeht. Auf der Rรผckfahrt bin ich ganze vier Mal auf wenigen Kilometern beim Grenzรผbertritt an der „Grรผnen Grenze“ zwischen Litauen und Polen, unmittelbar nahe der belarussischen Grenze, kontrolliert worden. Fehlende Grenzsicherung sieht anders aus.
Man kann den Menschen dort nicht genug Respekt in dieser Situation zollen!


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