

Nachdem ich nun eine ganze Weile recht beschaulich durch die Langhe getuckert bin, stand der echte Besuch von Turin auf dem Programm. Die kurze Stippvisite bei der Anreise nicht mitgezählt. Damit sich das mit der Zäsur so richtig lohnt, sollte es als erstes nichts geringeres als der größte Markt Europas sein, der Mercato Porta Palazzo. Rund 800 Stände Freiluft und in zum Teil historischen Markthallen (täglich werktags Vormittags, Samstags ganztägig). Immer nach der Devise: Wenn es zu viel ist, kann man auch einfach gehen.

Faszienierend: Was schon bei den kleineren Märkten in Bra und Alba hervorragend klappte, funktionierte auf diesem riesigen Markt nicht weniger: Die Menschen nehmen im Piemont einfach (sic!) Rücksicht. Mit selbstverständlicher Eleganz. Ich habe mich zu keiner Zeit bedrängt gefühlt, selbst in den zum Teil engen Gängen nicht. Davon gibt es keine Fotos, weil keine entstehen konnten in der Situation.
Auf diesem Markt bekommt man im Zweifel (fast) alles, was der Gaumen und das Herz begehrt. Das Ganze zu wirklich guten Preisen. Viele Produkte in fantastischer Auswahl. So alleine die Pastastände mit 30, 40 und mehr Sorten, viele davon gefüllt. Damit war das Abendessen schon gebongt. Ich habe mich durch diverse Sorten durchgeschlemmt.

Damit man nicht den Überblick verliert, ist alles säuberlich getrennt. Es gibt einen Teil überwiegend mit Obst, Gemüse, Kleidung, Hauswirtschaft. In den Hallen ist es getrennt zwischen …


Nicht zu vergessen Brot in großer Auswahl, auch mit landestypischen Brotsorten anderer Regionen.

Selbstverständlich darf in Turin Patisserie nicht fehlen.


Gut bepackt und gestärkt ging es dann auf die Stadterkundung. Ich wollte mich einfach mal treiben lassen. Als Eintritt diente das namengebende, einzig erhaltene Stadttor Turins, die Porta Palazzo. Knapp 2000 Jahre alt, überraschend nicht barrierefrei ;-).

Nur gut kann man auch außen rum. Allerdings sollte das der Hinweis sein, der die Erkundung Turins dauerhaft würde begleiten. Man muss mit Rolli immer darauf eingestellt sein, dass das Pflaster ungemütlich wird. Zwar gibt es meist auch Ausweichmöglichkeiten am Rand oder eben mit kleinem Umweg. Aber das muss man einplanen. Das Material dankt es!
Der Turiner Dom, wohl ein Muss für den Turin-Besuch, nicht nur wegen des berühmten Grabtuchs. Der Eintritt mit Rollstuhl erfolgt etwas versteckt auf der rechten Seite des Gebäudes an eigentlich wenig einladender Stelle. Man klingelt dort und nach einer Weile kommt ein Mitarbeiter, der einem per Aufzug Zutritt auf das Dom-Plateau und in den Dom hinein verschafft.

Im Innenraum habe ich mir Fotografieren verkniffen, weil eine größere Gruppe am Grabtuch gebetet hat.
Gleich neben dem Dom ist der barocke Palazzo Reale. In dessen Innenhof kann man sehr schön zeigen, wie das mit der Barrierefreiheit und dem Pflaster so ist:


Den Innenbesucht des Palazzos habe ich mir für nächstes Mal aufgehoben. Er ist weitgehend (nicht vollständig) barrierefrei. Man kann Rollstühle ausleihen, es gibt barrierefrei Toiletten. Darüber hinaus auch Tastmodelle für Sehbehinderte. Der Eintritt für Schwerbehinderte samt Begleitperson ist frei.
Eine grüne Oase ist der dem Palast zugehörige Giardino Ducale. Hier muss man allerdings ein wenig aufpassen: Mit Rollstuhl geht es da wieder raus, wo man am Palazzo reingekommen ist. Der Park bietet allerdings eine der wenigen Möglichkeiten in der Innenstadt, einen Blick auf die Mole Antonelliana zu erhaschen. Faszinierend, dass dieser immerhin rund 170 Meter hohe Turm ansonsten kaum zu sehen ist.

Vom Park aus sollte es dann so richtig in die Altstadt gehen. Diese ist ein Paradies für Fußgänger. Sie ist in weiten Teilen Fußgängerzone und besteht aus vielen schmalen Gassen, oft mit individuellen Boutiquen und Ateliers.


Da, wo irgendwie möglich, findet man überall gastronomisches Angebot, wo es lohnt, zu verweilen.

Turin ist die Stadt der Gianduja, der Schokoladen-Nougat-Paste, die für allerlei Köstlichkeiten verwendet wird. Pralinen und Eis sind natürlich ganz vorne dabei.


Kulinarisch gesehen ein Muss ist Bicerin. Ein Liason von Espresso und heißer Schokolade mit großzügiger Sahnehaube oder Milchcreme. Es wird so serviert, dass die Schichten noch zu sehen sind. Das kommt alles nicht von ungefähr. Turin gehört zu den Städten in Europa mit der ältesten Tradition für Schokolade, gut 350 Jahre.
Turin ist auch die Stadt von Kunst- und Trödel. Der größte Markt, der Garn Balon, stand am Folgetag auf dem Programm. Aber in der Innenstadt findet man mehr. Viele Stände, die in den Gassen und Straßen zu finden sind, aber auch kleinere Märkte wie am Piazza Carlo Alberto.

Ich habe länger nicht mehr eine Stadt gehabt, in der es so Spaß gemacht hat, einfach nur durchzulaufen. Auch weil die Atmosphäre – trotz Touristen – so entspannt und entspannend ist. Nala, die gut längere Zeit im Auto bleiben kann (so es selbstverständlich vernünftig steht und nicht aufheizt) sollte dann aber auch noch auf ihre Kosten kommen. Und so endet der erste Turintag mit einem längeren Spaziergang an den Parks am Po-Ufer.

Auch dort die Atmosphäre einfach nur entspannt: Artistisches Training, Menschen in zahlreichen kleinen und größeren Grüppchen, die völlig unaufdringlich einfach nur den Ausklang des Tages genießen. Diverse Cafés und Bars. Der Po mit malerischen Postkartenansichten, auch auf den Monte dei Cappuccini.

Und dann? Ja da war ja noch was. So schließt sich der Kreis. Es warteten ja noch die Köstlichkeiten vom Vormittag in der mobilen Küche.


Genächtigt wurde auf einem Area Sosta Camper Parkplatz.
Epilog:

Bei der Rückkehr zum Wohnmobil gab es eine kleine Überraschung. Ich stand auf einem Behindertenparkplatz. Mit blauem Ausweis, sichtbar ausgelegt. Dennoch bekam ich eine Knolle. Was ich nicht wusste: Behindertenparkplätze, die Personen gebunden sind, haben offenbar nur eine Nummer. Das ist nicht, wie ich mit mangelnder Aufmerksamkeit interpretiert habe, durchnummerierte Parkplätze. Es steh auch kein weiterer Text auf den Schildern, sondern nur die Nummer. Heißt in Zukunft: Nicht da parken, wo eine Nummer auf dem blauen Schild auftaucht. Eine Knolle gab es zunächst, satte 330 € (es kann in Italien noch teurer werden und ich finde es geil!). Allerdings hat man offenbar ein Auge zugedrückt und die Knolle nicht durchgesetzt, da grundsätzlich Berechtigung für einen Behindertenparkplatz besteht.
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