Riga – Altstadt, Orgelpfeifen und schicke Maschen

Der Besuch der Altstadt von Riga war eine echte Grenzerfahrung mit aus Rollstuhlfahrerperspektive viel Frustrationspotenzial. Das habe ich ausgelagert, um der ansonsten schönen Altstadt ausreichend Raum geben zu können.

Riga blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Als alte Hanse-Stadt war Riga lange Zeit zentraler Umschlagplatz im Baltikum und im nördlichen Ostseeraum. Diese Geschichte ist Stadtbild und leider auch Pflaster prägend. Mit sehr viel sportlichem Ehrgeiz kann man sich die Altstadt erobern. Ein Besuch der malerischen Torna-Straße am Rande der alten Stadtbefestigung.

Dort in der Nähe auch zu finden das Atelier von Ieva Ozoliņa. Nach Frusterfahrung in der Gastronomie rund um die Stadtmauer bin ich in das Atelier der Strickkünstlerin gestolpert, die mit ihren fantastischen Designs und ihrer sehr freundlichen Art nicht nur mein Strickherz erobert hat. Das schließt ihren Garn färbenden Mann gleich mit ein.

Ein echter Glanzpunkt Rigas sind die tollen Parks. Die Liebe der Letten zu tollen Parkanlagen ist unverkennbar. Das betrifft ganz besonders die Parkanlage entlang der ehemaligen Festungslagen inklusive des Basteibergs. Das funktioniert in sattem Grün…

…. und in bunt.

Ein kleiner Leckerbissen in der Altstadt sind die Orgelkonzerte im Marien Dom, die täglich um 12 Uhr stattfinden. Auf den ersten Blick sind Rollstuhlfahrer ausgeschlossen, wenn, ja wenn man nicht den Trick17 kennen würde, auf den ich nach geklagtem Leid im Tourismusbüro aufmerksam gemacht wurde: Rechts des Haupteingangs (wo es keinen Hinweis gibt!) gibt es das Tor zum Kreuzgang. Neben dem Tor befindet sich eine Klingel, die man betätigen und …… warten soll. Das mit dem Warten ist ernst gemeint und ich wurde vorgewarnt. Auch dass keiner am anderen Ende der durchaus vorhandenen Sprechanlage antwortet. Wir haben letztlich mit zwei Rollstuhlfahrerinnen dort knapp 10 Minuten gestanden, bis wir eingelassen wurden. Kurzer Austausch inklusive, dass das mit der Barrierefreiheit nur bedingt besser ist, wenn man in Gruppe unterwegs ist.

Belohnt wurden wir mit einem tollen Konzert auf dieser beeindruckenden Orgel: 6700 Pfeifen, Vier Klaviaturen. Die Walcker-Orgel war bei Ihrer Einweihung 1884 die größte der Welt. Das Konzert ist sehr schön angelegt, dieses Instrument in seinen verschiedenen Gesichtern kennenzulernen. Unbedingt empfehlenswert.

Unbedingt empfehlenswert auch die Runde durch den Kreuzgang, der den Dom mit dem Kloster verbindet. Nicht nur das beeindruckende frühgotische Gewölbe aus Backstein lohnt. Man hat nutzt diesen Raum auch als Ausstellungsfläche für diverse historische Artefakte wie Grabsteine und verschieden architektonische Elemente.

Interessant auch der „Schlüssellochblick“ in die den Kreuzgang angrenzende Werkstatt, wo an der Restaurierung der Orgel gearbeitet wird und deren Pläne mit den Füßen getreten werden 😉

Und dann rumpelt man so durch die Altstadt und plötzlich das da:

Nein, das ist kein verschobenes Raum.Zeit.Kontinuum. Die Stadtmusikanten wurden den Bürgern der Stadt Riga von denen ihrer Partnerstadt Bremen 1990 vermacht. Fotomotiv sind sie natürlich beide.

Die Zahl an Behindertenparkplätzen in der Altstadt ist überschaubar. Aufgrund der verwinkelten Altstadtgassen nicht gedacht, diese mit Fahrzeug und schon gar nicht mit Wohnmobil zu befahren. Als strategisch noch ganz gut tauglich haben sich die Parkplätze vor der Oper erwiesen. Dort ist man am Rande der Altstadt nahe des Basteibergs und damit der Parkanlage sowie auf deren anderer Seite des Jugendstilviertels. Aufgrund der schwierigen Bordsteinsituation dort ist aber eher zu empfehlen, dass mit Fahrzeug und nicht im Rollstuhl zu erobern.

Kommentare

2 Kommentare zu „Riga – Altstadt, Orgelpfeifen und schicke Maschen“

  1. […] toll ich einerseits einige Facetten von Riga gefunden habe, denen ich (teilweise von weitem) begegnet bin, so stark haben negative Erfahrungen […]

  2. […] Die Stärkung brauchte es dann für den Besuch der Altstadt. […]

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