Ravenna war als Zwischenstopp eigentlich nicht vorgesehen. Die Emilia-Romagna soll es später mal intensiver werden. Nach meiner kleinen Rollstuhl-Havarie war ich nach Ravenna als nächste größere Stadt gefahren, um mir neue Vorderräder zu besorgen. Man hatte mich zu den Kollegen in die Via Roma geschickt, dabei aber weggenuschelt, dass keineswegs die in Ravenna gemeint war, sondern in Forlimpopuli. Selbstredend unter Berücksichtigung der üblichen laaaangen Mittagspause bis 16 Uhr (teilweise sogar 16.30 Uhr), die man in dieser Hälfte Italiens überall schon macht. Bis ich den Irrtum bemerkt habe, hatte ich mich auf 2 Stunden eingerichtet, die ich in Ravenna zu verbummeln hatte. Es gibt tragischere Dinge zu bewältigen.
Allerdings war ich natürlich überhaupt nicht auf die Stadt vorbereitet. Assoziationen zu Ravenna: Rossini und Mosaik. Ersterer in der Mittagspause auf die Schnelle nicht machbar. Dann also Mosaik. Ravenna ist untrennbar mit jenen frühchristlichen und byzantinischen Mosaiken verbunden, welche die UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt hat. Für die kurze Zeit habe ich zwei der 8 großen Ziele ausgesucht, die ich ohne Zeitfensterticket erreichen konnte. Beim nächsten Besuch dann mehr.

Als erste Station die Basilica di San Vitale. Eine der Orte, bei denen man recht aufwändig nicht nur Besucherströme allgemein lenkt, sondern diese „per tutti“ barrierefrei gestaltet. Ströme erfasst es ganz gut. Der Ort ist ziemlich touristisch, wobei man natürlich akzeptieren muss, dass man ja selbst einer ist. Diese schiere Menge an Mosaik überall, an der Decke, den Wänden, dem Boden, ist überwältigend. Hier mal die 20 Minuten alleine, was mir schon in Assisi gelungen ist.

Hier wie auch das Beitragsbild zeigt die Sant’Apollinare Nuovo. Auch bei dieser Kirche ist Raumwirkung dieser hier goldenen Mosaike auch in Kombination zur Kassettendecke sehr beeindruckend. Dazu trägt insgesamt auch bei, dass die Kirche ansonsten unbestuhlt leer ist. Es war auch zum Glück weniger los als in der Basilica di San Vitale. Das ist hilfreich gerade vom Rollstuhl aus, da man weniger Gefahr läuft, Leute auf dem Schoß zu haben, die nur nach oben gucken.
Apropos gucken: Die obligatorische Dokumentation des in Ravenna weit überwiegend gut Rollstuhl tauglichen Bodenbelags hier verbunden mit einer Szene, wie sie so vielleicht nur in Italien möglich ist. Dieser als Gesamtkonzept lässige Eleganz ausstrahlende Mann tauchte plötzlich vor mir auf und ging eine ganze Weile vor mir her. Zigarre rauchend und im Rhytmus von Paolo Contes Via con me fließend durch die Fußgängerzone schreitend. Wonderful… Grazie per questo istante.



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