

Der Ortasee gehรถrt zu den oberitalienischen Seen, denen ich immer einmal einen Besuch abstatten wollte. Er ist neben dem noch viel kleineren, nรถrdlich vom Ortasee liegenden Lago di Mergozzo der einzige der oberitalienischen Seen, die vollstรคndig im Piemont liegen. Den weitaus grรถรeren Lago Maggiore teilt sich Piemont mit dem Schweizer Tessin und der Lombardei.
Der Ortasee wird als abseits der touristischen Strรถme liegendes Kleinod beschrieben. Dieses Urteil kann ich nicht vollstรคndig teilen. Das mag auch daran liegen, dass ich groรe (touristische) Menschenansammlungen eher meide. Mein Radar, was ich als Menschenansammlung bezeichne, schlรคgt da mรถglicherweise frรผher an. Zumindest bezogen auf das Ostufer kann man von Geheimtipp kaum reden.
Geografisch gesehen liegt der See zauberhaft. Umgeben von recht steilen Berghรคngen mit der kleinen, dekorativ platzierten Isola San Giolio sind das Postkartenmotive fรผr alle Tageszeiten und Wetterlagen. Ganz interessant: obwohl gerade vom Sรผden keine hรถheren Berge den See umschlieรen, entwรคssert der Ortaseee – als einziger der oberitalienischen Seen – nach Norden in den Lago Maggiore. Das fรผhrt in Omegna, am Nordufer des Ortasees, zu einer gewissen Tรคuschung, die durch die Art, wie der Abfluss gestaltet ist, noch verstรคrkt wird.

Man hat รผber den Abfluss Fontรคnen installiert, die den Eindruck erwecken, dass diese die Flieรrichtung markieren. Tatsรคchlich „geht“ es aber in die andere Richtung, in den Fiume Strona. An, besser รผber diesem ist eine kleine Promenade angelegt, die barrierefrei begehbar ist, und welche die Mรถglichkeit bietet, gewissermaรen hinter die Kulissen der Altstadt zu gucken.

Von der Perspektive her ist man hier von rechts, links und hinten umgeben vom Bergen, nach vorne รถffnet sich das Tal, aber das Flรผsschen kommt einem entgegen. Die Hรคuser entlang dieser Fluรpromenade sind allerdings auch der einzige Bereich, der in Omegna malerisch ist. Ansonsten ist der Ort eher wirtschaftlich geprรคgt. Nicht nur durch Alessi und – frรผher – Bialietti hat sich die Region zum Zentrum fรผr Haushaltsartikel entwickelt. Alessi hat noch einen Fabrikverkauf.

Es gibt zum Spazieren darรผber hinaus in Omegna auch eine schรถne kleine Promenade am Seeufer. Allerdings ist der Zugang nicht barrierefrei und es bedarf unter anderem wegen hoher Bordsteine beziehungsweise steilem Zugang Hilfe oder etwas sportliche Fahrweise, um sie รผberhaupt erreichen zu kรถnnen.


Der touristische Hotspot des Ortasees ist zweifelsohne Orta San Giulio, die Halbinsel die der gleichnamigen Insel vorgelagert ist. Die Gemeinde auf der Halbinsel ist geprรคgt von einer malerischen Altstadt. Problematisch ist allerdings, dass fรผr diese wie fรผr die Insel San Giulio gilt, dass sie kaum (fรผr die Insel gar nicht) fรผr Rollstuhlfahrende geeignet ist. Das gilt gerade einmal fรผr die Uferpromenade. Wer motorisiert einen Zugang finden will, schafft das nur mit der vorgeschalteten Barriere, dass man den Besuch vorher bei der Gemeinde anmelden muss. Italienisches Telefonat inklusive. Fรผr Wohnmobile funktioniert der Zugang gar nicht, auch nicht mit blauem Ausweis. Oben auf dem Hรผgel erwartet einen schwierigstes Kopfsteinpflaster. Der Streifen mit glatten Steinen ist so schmal, dass man sehr spurtreu sein muss. Alleine bei dem Gefรคlle habe ich mir das erspart.

Was mich am meisten gestรถrt hat, war die Unfreundlichkeit und รberheblichkeit derer, denen ich begegnet bin und bei denen ich angefragt habe, wie man den Zugang bewerkstelligen kรถnnte. Ich habe dann auf einen Besuch verzichtet und mir den gleichnamigen Monte San Giulio fรผr das Panorama ausgesucht, der am westlichen Seeufer liegt. Dort kommt man auf einem kleinen Bergstraรe bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man auch noch zu einem kleinen Spaziergang den Berg hoch aufbrechen kann. Dieser Ausflug bescherte mir dann ein Panorama der besonderen Art:

Das ist noch oberhalb des Aussichtspunkts. Es ist eine Sackgasse, die zu gerade einmal gut einem Dutzend Hรคusern fรผhrt. Das Foto beschreibt die Gebrauchsanweisung fรผr den Rรผckweg!
Beschauliches Panorama bietet der See auch von der Sรผdseite aus. Dort kommt man ebenfalls direkt ans Seeufer ran.

Was abschlieรend noch zum Punkt Parkplรคtze und besonders Stellplรคtze fรผhrt. Parken ist rund um den See herum ziemlich teuer und man muss aufpassen, wo man sich stellt. Es gibt ein paar wenige Behindertenparkplรคtze. Die Schwierigkeit in Orta San Giulio schon beschrieben, gilt das auch fรผr Omegna und Pella auf der Westseite. Freistehen ist in der Folge nur an ganz wenigen Punkte mรถglich beziehungsweise geduldet. Die Preise fรผr Stellplรคtze sind stramm! Vorsicht am Seeufer.
Den letzten Bildgruร gibt es nicht vom Ortasee sondern vom groรen Bruder, dem Lago Maggiore. Nachdem mir das Wetter auf der gesamten Reise wohl gesonnen war, gab es noch einen sehr stimmungsvollen Abschied: die gesamte Region war in einen zauberhaften Nebel gehรผllt, der zwar die Sicht auf die Berge versperrte, dafรผr aber unten fรผr reichlich Stimmung sorgte.

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