Eintauchen in die Renaissance-Landschaft

Rollstuhl barrierefrei

Die Kulturlandschaft der Marken galt schon in der Renaissance als Idealbild einer Natur, die durch Menschenhand geformt wurde. Die Ausläufer des Apennin führen zu einer sanften Hügellandschaft, bei der man nicht selten den Eindruck hat, dass Hügel genau an diese Stelle hingesetzt wurden. Viele davon, meist die besonders steilen, haben eine Burg, mindestens aber ein Dorf auf der Spitze. Zypressen und Eichen begrenzen Felder, die zum Zeitpunkt der Fahrt überwiegend abgeerntet waren und mit ihrer goldgelben bis beigen Färbung zusätzliche geometrische Akzente setzen. In so einer Landschaft ist bereits das Reisen ein Genuss.

Wer die Ansichten, von der Mona Lisa bis zur Auferstehung Christi Orte besuchen möchte, die in Verbindung mit großen Kunstwerken stehen, kann dies auf einer eigens dafür gestalteten Route tun, die im Montfeltro „balconi“, solche Aussichtspunkte reiht. Ich bin zu spät darüber gestolpert. Der erste, den ich gesehen habe, war nicht barrierefrei, so dass ich davon Abstand genommen habe, das weiter zu verfolgen.

Dafür wartete mit Urbino ein echter Höhepunkt der Reise. Dies übertragen, aber durchaus auch wörtlich gemeint. Denn auch Urbino liegt auf Hügeln, sogar zwei davon. Die eigentliche Altstadt hat sich einen besonders steilen ausgesucht, was die Eroberung mit Rollstuhl zu einer echten Herausforderung macht. Doch zum Einstieg in die Stadt habe ich für mich erst einmal die Festung Albornoz erobert, was Aufgrund der Steigung schon eine etwas sportlichere Aktion war.

Von dort hat man einen Bilderbuch-Blick auf die zum Unesco-Welterbe gehörende Altstadt mit Dom und Palazzo Ducale. Sehr schön auch zu sehen, dass die gesamte Parkanlage rund um die Festung wohl von den Einheimischen als Treffpunkt und Freizeitfläche genutzt wird. Es herrschte ein reges Treiben mit Picknickenden, Fußball spielenden oder musizierenden Menschen.

Doch mein absoluter Favorit dort war diese Grazie, die mir in der Gasse zur Festung entgegen kam. Geht es schöner? Sie hat ziemlich zierlich aber mit Eleganz keine Zweifel gelassen, wer die Herrin vor Ort war.

Umso überraschter war ich dann kurze Zeit darauf, als ich das Werbebanner der Galleria Nazionale, der Nationalgarie der Marken sah. Eine Reinkarnation?

In die eigentliche Altstadt von Urbino war eine echte Herausforderung. Zwar gibt es die „Parkhausaufzüge“, ein Kniff, wie es ihn auch in anderen Städten gibt, welche den Zutritt auf die Hügel per Aufzug über Parkhäuser ermöglichen. Nur war der am Piazza Mercatale, als ich ankam, zugeparkt und ich weiß gar nicht, ob er überhaupt in Betrieb war. Eine Genehmigung, in die Altstadt hochzufahren, hätte einen Anruf benötigt, der nicht funktionierte, weil unter der Nummer keiner ran ging. So habe ich mich dann entschlossen, den Aufstieg „fatto al mano“ über die Via Giuseppe Manzini zu probieren. Steil, aber machbar. Hier wäre eine etwas schlüssigere Kommunikation besser, was man wie machen kann.

Die „Hauptstraßen“ in der Altstadt sind noch mit Rollstuhl realisierbar. In den Nebengassen ist dann aber ganz schnell Ende, weil das nicht nur recht steile Auf- bzw. Abgänge sind, sondern diese auch Stufen haben.

Der Dom ist allerdings barrierefrei erreichbar. Er bildet mit dem Palazzo Ducale einen sehr schönen Platz.

Unangefochtenes Highlight für mich aber der Palast selbst mit seiner Nationalgalerie, die deshalb auch einen eigenen Eintrag bekommt.

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