
Zu den klassischen Fragen nicht nur von Campern, sondern der meisten Italienreisenden gehört: Wie und wo überquert man die Alpen? Abseits des Brenners gehört der Reschenpass zu den beliebteren Routen. Sie lässt sich mautfrei bewältigen, hat aber den Nachteil, dass es rund um Garmisch voll werden kann. Landschaftlich ist das aber nicht nur wegen des Reschenpasses eine sehr schöne Variante. Das gilt spätestens ab Passhöhe und dann, wenn der ikonische Kirchturm aus dem blauen Reschensee ragt. Bei schönem Wetter öffnet sich der Blick auf das gigantische Ortlermassiv am Horizont, das einen noch eine Weile begleitet, wenn man talabwärts Richtung Meran fährt. Ich fahre diese Route jedenfalls viel lieber als den Brenner, den ich weit möglich versuche zu meiden.

In die Marken wäre eigentlich plausibler gewesen, weiter im Osten zu queren. Aber ich hatte gleich mehrere Gründe, diesen Weg zu nehmen. Es stand noch eine Verabredung aus, die Alpen erneut auf dem Luftweg zu erobern. 3 Jahre zuvor hatte ich bereits mit Stefan im Tandemclub Ifiger einen Gleitschirmflug gemacht und wollte diesmal mindestens einen Thermikflug, wenn nicht noch höher einen Gipfelflug machen. Wetterbericht als Freund war da nicht nur die Route, sondern auch die Zeit extra abgepasst. Am Vortag bot sich an, am Reschenpass zu übernachten. Das war auch deshalb passend, weil der dortige Kitesurfing-Stützpunkt schon unverschämt spektakuläre Aussichten bietet bei der Kombination See und Ortler.

Vor allem für die Kiter gibt es in der Nähe des Stützpunkts direkt am See an der Mündung des Karlinbachs einen tollen Parkplatz, der natürlich auch genutzt werden kann, wenn man nicht abhebt. Über Nacht Kostenpunkt normalerweise 25€ ist er mit blauem Ausweis für Schwerbehinderte kostenlos. Auch in anderer Hinsicht ist der See für Rollifahrer dankbar. Es gibt sehr weitläufig eine Promenade, teilweise deckungsgleich mit den Fernradwegen, auf deren Route der Reschensee liegt. Dieser Weg ist auch mit Rollstuhl gut zu befahren und so breit, dass man sich eigentlich nicht ins Gehege kommt. Er war dort oben auch nicht so stark befahren.

Bei einer sehr bequemen Wanderung am See entlang kann man das Panorama in vollen Zügen genießen. Viele Bänken laden zum Verweilen ein. Einzig der Weg auf den Damm am Kirchturm habe ich alleine nicht gewagt. Schotter und Steigung verträgt sich mit Rollstuhl ohne eine Begleitung, die notfalls eingreifen kann, nicht gut. Ob das überhaupt einen Mehrwert gehabt hätte, angesichts dessen, was man mit Genuss erreichbar hatte, wage ich zu bezweifeln.
Apropos Genuss. Einen weiteren Vorteil hatte die Route gerade um diese Jahreszeit: Man fährt in die Apfelernte des Vinschgau, meinem zweiten Ziel. Bei unserem letzten Besuch hatten wir auf der Suche nach Gravensteiner, meiner Lieblingsapfelsorte, den kleinen Biobetrieb der Familie Wallnöfer in Prad am Stilfserjoch kennengelernt. Ein Zwischenstopp im Softladele musste sein, bei dem ich mich nicht nur mit fantastischem Apfelsaft eingedeckt habe, sondern auch mit Wegzehrung in Form eines bunten Potpourris alter Apfelsorten, eine leckerer als die andere. Sie sollten mich die ganze Tour begleiten, wurden aber merkwürdigerweise immer weniger.
Bei den abgefüllten Apfelsaften gab es auch verschiedene Kombinationen, von denen es mir die auf den ersten Blick ungewöhnliche, aber sehr fein austarierte Kombi Apfel-Kaffee besonders angetan hat. Ich werde mit der Mischung bei Gelegenheit mal in der eigenen Küche experimentieren.

Geht bei Äpfeln mehr Bilderbuch?


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